Filmperlentaucher

Illusion

PlakatAcht Menschen, unzufrieden mit ihrem bisherigen Leben, treffen in einer Bar aufeinander. Claudia (Marina Anna Eich) hat sich ihr Leben mit Theo (Wolfgang Seidenberg), einem Pfarrer, eingerichtet, ohne wirklich glücklich zu sein. Uli (Andreas Pegler) ist arbeitslos und läuft den ganzen Tag im Bayern-Trikot herum. Die Menschen um ihn herum werden für ihn immer mehr zu einer Bedrohung. Wenn seine Frau Maja (Ute Meisenheimer) mit ihm redet, hört Uli nicht mehr zu. Susanne (Carolina Hoffmann) ist jung und Sport-Therapeutin. Nikola (Antje Nikola Mönning) ist Psychologin und erträgt das Leben nur mit etwas Alkohol. Dieter (Thomas Kollhoff) lebt allein und Christian (Christoph Baumann) langweilt sich sogar beim Telefon-Sex. Mit seinem Handy dokumentiert Christian die Geschehnisse in der Bar und kommentiert diese.

Gespannt warten alle darauf, was die geheimnisumvolle Bar an diesem Abend bereit hält. Anfangs fremd zueinander kommen sich die Gäste im Verlaufe des Abends näher. In Gesprächen untereinander lassen sie ihren Sehnsüchten und Wünschen freien Lauf und tauchen ab in eine Welt voller Illusionen und Träume. Dabei kommen nicht nur Ängste und längst vergessene Erfahrungen zum Vorschein, sondern auch sexuelle Phantasien – bis zum überraschenden Ende…Illusion_10

Roland Rebers Filme sind nicht fürs Popcorn-Kino à la Hollywood gemacht. Stattdessen muß sich der Zuschauer auf eine Reise in die Abgründe menschlicher Verhaltensweisen und Sehnsüchte einstellen, mit einer Bildsprache, die ihresgleichen sucht – eigenwillig und provokativ.

Regisseur Roland Reber und sein Filmteam von WTP verzichten konsequent auf Studiobeteiligungen und Filmförderungen. Diese Beharrlichkeit bewirkt eine ungeahnte Kreativität und Experimentierfreudigkeit am Set. Reber bezieht seine Schauspieler in den Entstehungsprozeß seiner Filme ein, läßt sie am Drehbuch mitschreiben und ist auch neuen Ideen aufgeschlossen.

Die Dreharbeiten zu „Illusion“ begannen bereits, als das Drehbuch noch gar nicht zu Ende geschrieben war. In drei Ebenen agieren die Protagonisten des Films: Ebene 1 ist das reale Leben mit seinen realen Unzulänglichkeiten; Ebene 2 ist der Abend mit seinen Gesprächen in der Bar und schließlich die namensgebenden „Illusionen“ auf Ebene 3.

Gerade die Umsetzung der Illusionen sind ein bildgewaltiges Feuerwerk an Effekten und Farben und sollten als Lehrbeispiel an den Filmhochschulen gezeigt werden. Mira Gittner als Kamerafrau und Schnittmeisterin bedient sich aus der großen Kiste der Möglichkeiten: schnelle Schnitte, Wechsel von Schwarz/Weiß- zu Farbaufnahmen innerhalb einer Szene, Überblendungen – wie ein Kaleidoskop wechseln die Bilder im Sekundentakt, ohne zu verwirren. Ein Rausch für die Sinne.Illusion_9

Ebenso im Gedächtnis bleiben scheinbare Kleinigkeiten, die sich durch den ganzen Film ziehen: das Stückchen Käsekuchen, das „Ich geh mit meiner Laterne“-Liedchen oder das immer wieder zu hörende Ticken im Sekundentakt, welches sich in der Illusion der Psychologin Nikola während ihrer Vergewaltigungsorgie zu einem bedrohlichen Wummern aufbauscht.

Satirisch wird es, wenn sich „Illusion“ über den „Facebook“-Wahn lustig macht. Was wäre, wenn Gott eine Facebook-Seite hätte? Und auch Uli im Bayern-Trikot kommt einer gleichnamigen Ikone des bayerischen Fußballvereins optisch recht nahe.

Die Musik zu „Illusion“ stammt größtenteils von Antja Nikola Mönning. Zwar haben die Titel wenig Hit-Potential und sind mehr für Lagerfeuer-Romantik geeignet, dafür unterstützen sie die Bilder und lenken nicht ab. Selbst für das legendäre „Fields of Athenry“, eine Fußball-Hymne mit besonderer Geschichte, findet Roland Reber Platz.

„Der Star ist die Mannschaft!“. Roland Rebers Mannschaft ist das Ensemble, daß sich bereits von den bisherigen Filmen kennt. Carolina Hoffmann ist die Neue im Team. Direkt nach Abschluß ihrer Schauspielausbildung kam sie zu WTP und spielt in „Illusion“ gleich die Hauptrolle als Susanne. Als „junges Küken“ fügt sich sich nahtlos ein ins Team um die gestandenen Darsteller Mönning, Eich oder Seidenberg.Illusion_12

„Illusion“ läßt sich schwer in ein Genre einordnen. Der Film ist Drama und Satire gleichzeitig, ein Ensemblefilm mit viel nackter Haut und Gesellschaftskritik. Er ist überraschend, kurzweilig, spannend. Ein Film, der Fragen stellt. Die Antworten muß jeder Zuschauer für sich selbst finden. Eben ein typischer Roland-Reber-Film.

Die Rollen und ihre Darsteller

SUSANNE BAUER – Carolina Hoffmann
NIKOLA – Antje Nikola Mönning
THEO – Wolfgang Seidenberg
CLAUDIA – Marina Anna Eich
ULI – Andreas Pegler
CHRISTIAN SCHLUGER – Christoph Baumann
MAJA – Ute Meisenheimer
BARDAME – Claire Plaut
DIETER – Thomas Kollhoff

Filmstab

Buch und Regie: Roland Reber
Produzenten: Patricia Koch, Antje Nikola Mönning, Roland Reber
Ausführende Produzentin / Herstellungsleitung: Marina Anna Eich
Musik / Regieassistenz: Antje Nikola Mönning
Bildgestaltung: Mira Gittner, Steffen Neder
Kamera und Schnitt: Mira Gittner
Lichtgestaltung: Steffen Neder
Kameraassistenz / Licht: Maximilian Melerski
Kamerabühne: Lukas Böttcher
Produktionsassistenz: Anton Eder
Bühnen- und Lichtassistenz: Michael Krauss

Produktion / Verleih / Vertrieb: wtp international GmbH

www.illusion-derfilm.com

(c) für alle Fotos: wtp international GmbH

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