Filmperlentaucher

Forster Rühmann-Film lockt noch immer die Massen

Die Ankündigung zum 74. Geschichtsstammtisch des Forster Museumsvereins löste einen regelrechten Boom an Anmeldungen aus, so daß sich die Organisatoren um Frank Henschel gezwungen sahen, neben der sonst üblichen Abendveranstaltung noch eine zweite Veranstaltung am Nachmittag anzubieten. Thema der beiden Veranstaltungen war eine kleine Sensation: Der Ufa-Film „Strich durch die Rechnung“ mit Volksschauspieler Heinz Rühmann ist wieder aufgetaucht. Gedreht wurde der Film 1932 in großen Teilen auf der Forster Radrennbahn, die so zum „Filmstar“ und weltweit bekannt wurde.

Dabei begannen die Veranstaltungen für einige Besucher mit einer kleinen Enttäuschung. In verschiedenen lokalen Zeitungen wurde angekündigt, daß der Film in voller Länge gezeigt werden würde. Stattdessen gab es – wie in der Pressemitteilung richtig geschrieben – eine Einführung in den Film „Strich durch die Rechnung“. Da bei der eigentlichen Aufführung des Films im Oktober keine Zeit für Hintergrundinformationen und kleine Anekdoten von den Dreharbeiten bleibt, wurde diesen Themen ein extra Geschichtsstammtisch gewidmet.

Frank Henschel recherchiert seit vielen Jahren zu dem Film und hat jede Menge Materialien wie Zeitungsausschnitte, private Fotos, Programmhefte, Filmplakate usw. zusammengetragen. Daraus entstand eine gut zweistündige Präsentation, die er nun im „Hornoer Krug“ vorstellte. Der Forster Filmemacher Frank Junge setzte zusätzlich einen Bericht in der „Filmwoche Nr. 44“ von 1932 in Szene und verband mittels Einblendtechnik Filmaufnahmen und Fotos von Damals mit Aufnahmen aus der jetzigen Zeit.

Vorlage für den Film war ein Theaterstück von Fred A. Angermeyer. Dieses Bühnenstück wurde vermutlich nie aufgeführt, zumindest gibt es keine Nachweise. Dafür wurde vom Sender Berlin am 21. Oktober 1930 das Stück als Hörspiel aufgeführt. Im Juli 1932 „weht die Ufa-Fahne“ in Forst, wie das Forster Tageblatt zu berichten weiß. Auf der hiesigen Rennbahn versammelten sich Filmstars wie Heinz Rühmann, Käthe von Nagy oder Tony van Eyck ebenso wie Profi-Rennfahrer wie der Forster Georg Pawlak. Auch viele Forster wirkten als Komparsen mit.

Am 25.10.1932 fand in Berlin im Ufa-Filmpalast am Bahnhof-Zoo (heute „Zoo-Palast“) die Filmpremiere statt, einen Monat später durften auch die Forster Bürger endlich „ihren“ Film in den Kammerlichtspielen sehen. Die Resonanz war so groß, daß in den darauf folgenden Tagen bis zu vier Kino-Vorstellungen täglich stattfanden. Auch international wurde der Film gezeigt. Frank Henschel lieferte Belege für Aufführungen in Wien, in den Niederlanden, in Budapest, New York. Die zeitgleich mit der deutschen Fassung ebenfalls in Forst gedrehte französische Version „Rivaux de la Piste“ feierte im November im weltberühmtem „Moulin Rouge“ in Paris seine Uraufführung und lief anschließend u.a. in Spanien, Polen, Ägypten und Vietnam.

Frank Henschel erzählte die eine oder andere Anekdote, die er bei seinem Recherchen zum Film entdeckte. So vergnügte sich Heinz Rühmann während seines Sanatoriumsaufenthaltes in Pohsen (Rühmann war während der Dreharbeiten schwer mit dem Rad gestürzt) in den Gubener Lokalitäten. Käthe von Nagy soll sich während der Dreharbeiten beim Abgeben des Startschusses die Fingerkuppe abgerissen haben, was wohl eher zur Legendenbildung taugt.

Nach dem zweiten Weltkrieg wurde der Film – so Henschels Vermutung – Raubkunst und galt lange als verschollen. In einem russischen Filmarchiv tauchte er erst Jahrzehnte später wieder auf. Dank Frank Henschels Forschungen und Bemühungen ist es nun möglich, den Film in voller Länge wieder aufzuführen. Bei allen Quellen, die Henschel ermitteln konnte, fehlen jedoch 10 Minuten Ton. Diese werden bis zur Aufführung im Oktober nicht vertont, sondern als Untertitel eingearbeitet. Die Vorlage dazu liefert ein Originaldrehbuch, welches sich im Bestand des Textilmuseums befindet.

Die Resonanz auf den „Vorfilm“ war so groß, daß es schon erste Fragen gab, wie man denn an Karten für die Aufführung des Hauptfilms im „Forster Hof“ kommt. Dazu werden sich die Organisatoren in den nächsten Tagen noch einmal zu Wort melden und die Modalitäten des Kartenverkaufs  über die Presse bekannt geben. Wegen der Hygiene-Maßnahmen und noch weiterer Verhandlungen über die Aufführungsrechte kann derzeit noch nichts Genaueres bekanntgegeben werden. Fest steht der Termin: am 29. Oktober findet im „Forster Hof“ die Wiederaufführung von „Strich durch die Rechnung“ statt – verbunden mit einer Präsentation eines Buches über den Film mit noch mehr Hintergrundgeschichten, Fotos, Anekdoten.

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