Filmperlentaucher

Begann ein internationaler Filmstar seine Karriere in Forst?

Auch fast 90 Jahre nach seiner Entstehung tauchen immer noch neue Details zum in Forst gedrehten Spielfilm „Strich durch die Rechnung“ auf. So ist Frank Henschel, der sich intensiv mit der Historie des Films beschäftigt, bei seinen Nachforschungen kürzlich auf eine interessante Personalie gestoßen. Doch der Reihe nach.

1932 dreht die Ufa-Filmgesellschaft Berlin, damals eines der größten Filmstudios Europas, u.a. auch auf der Forster Rennbahn und versammelt dabei Stars wie Heinz Rühmann, Otto Wallburg oder Käthe von Nagy vor der Kamera. Neben der deutschen Version „Strich durch die Rechnung“ entsteht parallel eine französische Version unter dem Titel „Rivaux de la Piste“. Die Filmsynchronisation setzte sich erst Jahre später durch, bis zu diesem Zeitpunkt wurden für den internationalen Markt sogenannte Versionen-Filme gedreht. Für „Strich durch die Rechnung“ bedeutete das, daß zunächst auf Deutsch mit deutschen Schauspielern gedreht wurde und anschließend die gleiche Szene noch einmal, diesmal mit französischen Darstellern, aufgenommen wurde. Nur der (deutsche) Filmstab blieb bei beiden Versionen der gleiche.

Foto: Neue Terra Europa / Gundlach

In der französischen Version soll – so der aktuelle Forschungsstand – ein junges, 18jähriges Mädchen mitgespielt und sein Filmdebüt gegeben haben, das Jahre später in Hollywood Karriere machen und international für Furore sorgen sollte: Lilli Palmer. „Rivaux de la Piste“ war vermutlich die erste Filmarbeit, Forst ihr erster Drehort.

Lilli Palmer, eigentlich Lilli Marie Peiser, wurde 1914 in Posen geboren. Ihre Familie zog 1918 nach Berlin, da war Lilli gerade mal 4 Jahre alt. Während ihrer Schulzeit nahm Lilli Palmer Schauspielunterricht und hatte am Rose-Theater in Berlin erste Auftritte. 1932 kam dann ihr erster Filmauftritt – vermutlich in Forst. Zumindest weisen einige Quellen darauf hin. So listet die Palmer-Biografin Heike Specht in ihrem Buch „Die preußische Diva“ den Film „Rivaux de la Piste“ an erster Stelle. Auch in der „International Movie Database“, der größten Filmdatenbank im Internet, werden Schauspielerin und Filmtitel gemeinsam gelistet.

Doch oft ist die Mitwirkung der damals 18jährigen Palmer mit einem Fragezeichen versehen. Neue Nahrung erhalten die Spekulationen nun durch einen gefundenen Beitrag im französischen Filmmagazin „POUR VOUS“ vom 18. Januar 1934. Darin verweist der Autor, der vermutlich mit der 1933 nach Paris emigrierten Lilli Palmer sprach, auf deren Mitwirkung in „Rivaux de la Piste“.

Auch ein holländischer Filmexperte verweist in einem anderen Artikel auf die Mitwirkung Palmers in der französischen Version.

Bekannt ist unzweifelhaft, daß Lilli Palmer eine internationale Filmkarriere hinlegte. Sie spielte unter so bekannten Regisseuren wie Fritz Lang oder Alfred Hitchcock. Ihre Filmpartner waren u.a. Gary Cooper, Clark Gable, Romy Schneider, Jean Gabin oder Curd Jürgens. Zweimal war sie für den GOLDEN GLOBE, die renommierteste Filmauszeichnung der in Hollywood akkreditierten Auslandspresse, nominiert. Auf dem berühmtem „Walk of Fame“ hat Lilli Palmer einen eigenen Stern. 1986 starb sie in Hollywood im Alter von 71 Jahren.

Ob Lilli Palmer tatsächlich in Forst ihre große Filmkarriere begann, wird man wohl erst endgültig wissen, wenn die französische Filmversion auftaucht. Denn bisher gilt diese als verschollen. Doch das war die deutsche Version „Strich durch die Rechnung“ bis vor Kurzem auch. So muß sich die kleine Arbeitsgruppe von Mitgliedern des Museumsvereins, die sich um die Würdigung des Forster „Rennbahn-Films“ verdient macht, weiter auf Archiv- und Pressematerialien stützen, die so manches amüsante, manchmal auch kurioses Detail zum Vorschein bringen. Wie der Bericht des französischen Kinojournals „CINEMA“ vom Juni 1933, das sich im Beitrag „MODE AUF DER DER LEINWAND – Fotografien von sportlicher Mode“ mit dem Filmkleid der französischen Hauptdarstellerin Suzet Maïs beschäftigte, welches sie während der Aufnahmen auf der Forster Rennbahn trug. Doch das ist schon wieder eine andere Geschichte.

Noch mehr Anekdoten, Zeitzeugenberichte, Hintergründe gibt es auf der eigens zum Film erstellten Webseite unter www.strich-durch-die-rechnung.de

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